Du willst wissen, wie viele Menschen täglich durch deinen Ladeneingang, dein Foyer oder die Tür einer Bibliothek gehen, und stehst vor zwei Geräten, die fast gleich aussehen: einem Zähler mit Time-of-Flight-Technik und einem mit zwei Kameralinsen. Die kurze Antwort vorweg: Bei der Personenzählung liefern beide Verfahren unter guten Bedingungen sehr ähnliche Ergebnisse. Milesight nennt für seine ToF-Serie VS13x und für den Stereo-Zähler VS125 jeweils bis zu 99,8 Prozent Genauigkeit. Welcher Zähler an deinem Eingang genauer zählt, entscheiden fast immer Montagehöhe, Erfassungsbereich und Licht, nicht das Messprinzip allein.
Deshalb lohnt es sich, beide Techniken zu verstehen und dann mit dem Zollstock zu deinem Eingang zu gehen. Mit den Zahlen aus den Datenblättern des Milesight VS135 (ToF) und des Milesight VS125-P (Stereo) kannst du schon vor dem Kauf ausrechnen, ob ein Gerät deinen Durchgang überhaupt abdeckt.

Wie funktioniert Personenzählung mit einem ToF-Sensor?
Ein Time-of-Flight-Sensor sendet selbst Licht aus, beim VS135 unsichtbares Infrarot mit 940 nm Wellenlänge. Das Licht trifft auf Köpfe, Schultern und den Boden und wird zurückgeworfen. Der Sensor misst für jeden Bildpunkt, wie lange das Licht für den Hin- und Rückweg gebraucht hat, und errechnet daraus die Entfernung. Heraus kommt kein Foto, sondern eine Tiefenkarte: ein Höhenrelief der Szene unter dem Gerät.
In dieser Tiefenkarte ragen Menschen als deutliche Erhebungen über den Boden. Eine KI-Auswertung erkennt diese Formen, ordnet ihnen eine Spur zu und verfolgt sie über mehrere Messungen hinweg. Überquert eine Spur die konfigurierte Zähllinie, zählt das Gerät einen Eintritt oder Austritt, je nach Richtung. Weil die Entfernung direkt gemessen wird, kennt der Zähler die Körperhöhe jeder Person. Milesight gibt die Messgenauigkeit beim Standardmodell mit ±3,5 cm an, bei der Version für hohe Decken mit ±6,5 cm.
Ein solcher 3D-Personenzähler braucht kein Umgebungslicht, weil er seine Beleuchtung mitbringt. Das Licht lässt sich automatisch oder dauerhaft einschalten. Die Grenze liegt im Messbereich: Der Standard-VS135 misst Entfernungen von 0,5 bis 3,5 m, die High-Ceiling-Version von 2 bis 6,5 m. Außerhalb dieses Fensters liefert der Time-of-Flight-Sensor keine brauchbaren Daten, egal wie gut die Software ist.
Wie funktioniert ein Stereo-Personenzähler?
Ein Stereo-Zähler arbeitet wie deine beiden Augen. Zwei Bildsensoren sitzen in festem Abstand nebeneinander, beim VS125-P sind es zwei Sensoren mit je 4 Megapixeln. Ein Punkt im Raum erscheint in beiden Bildern an leicht verschobener Stelle. Je näher er dem Gerät ist, desto größer ist diese Verschiebung. Aus ihr berechnet der Zähler per Triangulation die Entfernung und erhält ebenfalls ein räumliches Bild.
Zusätzlich wertet ein Deep-Learning-Modell die Kamerabilder selbst aus. Das ist der wichtigste Unterschied zur ToF-Technik: Die Stereo-Kamera zur Personenzählung sieht neben der Tiefe auch Konturen und Texturen. Daraus lassen sich weitere Merkmale ableiten, etwa Gruppen oder die Unterscheidung von Erwachsenen und Kindern. Damit die Tiefenberechnung funktioniert, muss die Software allerdings dieselben Bildpunkte in beiden Aufnahmen wiederfinden. Das gelingt am besten auf Oberflächen mit etwas Struktur und Kontrast.
Für Dunkelheit hat der VS125-P eingebaute Infrarotstrahler. Milesight gibt als benötigte Beleuchtung 0 Lux bei eingeschalteten IR-Strahlern an. Das Sichtfeld beträgt 101° horizontal und 70° vertikal, die zulässige Montagehöhe liegt zwischen 2,2 und 6 m. Ein einzelnes Gerät deckt damit sowohl normale Ladeneingänge als auch deutlich höhere Hallen ab.
ToF oder Stereo: Welcher Personenzähler ist genauer?
Auf dem Papier gibt es keinen Sieger. Beide Hersteller-Angaben liegen bei bis zu 99,8 Prozent, und diese Werte entstehen unter Testbedingungen: richtige Höhe, freie Sicht, sauber gesetzte Zähllinie. An einem echten Eingang verlieren beide Geräte Genauigkeit aus denselben Gründen. Die Zähllinie liegt zu nah an der Türkante, ein Türflügel schwenkt durchs Bild, ein Aufsteller verdeckt eine Seite, oder das Gerät hängt leicht schief, nachdem jemand an der Decke gearbeitet hat.
Technisch haben beide Verfahren ihre Stärken. ToF misst Tiefe direkt und unabhängig davon, ob der Boden gemustert oder einfarbig ist. Das macht die Erkennung von Köpfen auch bei Gedränge und gleichförmiger Kleidung stabil. Stereo berechnet die Tiefe, hat dafür aber hochauflösende Bilder und ein breites Sichtfeld, das in größerer Höhe mehr Fläche erfasst. Für Situationen, in denen viele Menschen dicht nebeneinander gehen, nennt Milesight beim VS135 zusätzlich eine eigene Erkennung von Verdeckungen.
Ob dein Zähler wirklich genau ist, findest du nur mit einer Gegenprobe heraus. Zähle zur Stoßzeit eine halbe Stunde lang von Hand mit und vergleiche getrennt nach Richtung. Schau dabei, wo die Abweichungen entstehen: Fehlen immer Personen am selben Rand, ist das ein Hinweis auf zu knappe Abdeckung, nicht auf schlechte Technik.
Personenzählung bei Gegenlicht und Dunkelheit: Welche Technik ist robuster?
Gegenlicht ist das typische Problem verglaster Eingänge. Die tief stehende Wintersonne scheint durch die Tür, wirft scharfe Schatten auf den Boden und erzeugt helle Flecken auf poliertem Stein. Für eine Kamera sind das starke Kontraste, die sich mit jedem vorbeigehenden Menschen verändern. Ein Stereo-Zähler kann wandernde Schatten leichter fehlinterpretieren, weil er Bildinhalte vergleicht.
Ein ToF-Sensor kümmert sich wenig um Schatten, denn er misst Entfernungen mit seinem eigenen Licht. Ganz unempfindlich ist er trotzdem nicht. Direktes Sonnenlicht enthält ebenfalls Infrarot und kann das Messsignal verrauschen. Die Wellenlänge 940 nm wird unter anderem deshalb verwendet, weil das Sonnenlicht in diesem Bereich vergleichsweise schwach ist. Spiegel, Glasflächen und sehr glänzende Böden können das ausgesendete Licht umlenken und einzelne Entfernungswerte verfälschen.
Bei völliger Dunkelheit arbeiten beide Geräte: der VS135 mit seiner aktiven ToF-Beleuchtung, der VS125-P mit seinen IR-Strahlern. Für Gegenlicht nennt keiner der Hersteller einen Grenzwert in Lux. Plane die Zählzone deshalb lieber ein bis zwei Meter hinter der Glasfront, wo der Sonnenfleck nicht hinreicht, und prüfe den Zähler genau zu der Tageszeit, in der die Sonne am ungünstigsten steht.
Welche Montagehöhe braucht ein Personenzähler?
Ein Overhead-Zähler hängt senkrecht nach unten gerichtet über dem Durchgang. Die Montagehöhe misst du vom fertigen Fußboden bis zur Unterseite des Geräts, nicht die Raumhöhe aus dem Bauplan. Eine abgehängte Decke, ein Unterzug oder eine Halterung verändern den Wert schnell um 20 oder 30 cm, und das reicht, um aus dem zulässigen Bereich zu fallen.
Die Grenzen der Geräte sind klar: Der Standard-VS135 ist für Montagehöhen bis 3,5 m ausgelegt, der VS125-P für 2,2 bis 6 m. Über einer normalen Tür mit rund 2,10 m Durchgangshöhe landet ein Zähler typischerweise zwischen 2,5 und 3,5 m und damit im Bereich beider Geräte. Für niedrige Situationen bieten beide Modelle neben der Deckenmontage auch eine Montage am Türsturz und eine abgehängte Deckenmontage mit optionaler Halterung.
Zu niedrig ist genauso problematisch wie zu hoch. Bei 2,5 m Montagehöhe bleiben zwischen Gerät und Kopfhöhe nur rund 80 cm Abstand. Das Sichtfeld ist dort entsprechend schmal, und der Zähler sieht jede Person nur auf einem kurzen Wegstück. Je kürzer diese Strecke, desto weniger Messungen hat die Software, um die Laufrichtung sicher zu bestimmen.
Personenzähler für hohe Decken: Wann brauchst du die High-Ceiling-Version?
Sobald das Gerät höher als 3,5 m hängen muss, scheidet der Standard-VS135 aus. Typisch sind Eingangshallen, Atrien, Bahnhofsdurchgänge und offene Verkaufsflächen in Märkten. Dann hast du drei Möglichkeiten: den VS135 in der High-Ceiling-Version für Montagehöhen bis 6,5 m, den VS125-P bis 6 m oder eine Abhängung, die den Standardzähler auf eine passende Höhe bringt.
Die High-Ceiling-Version ist kein Standardgerät mit mehr Reichweite, sondern hat eine andere Optik. Ihr Sichtfeld ist mit 60° horizontal und 45° vertikal deutlich enger als die 98° mal 80° des Standardmodells, und ihr Messbereich beginnt erst bei 2 m Abstand. Daraus folgen zwei praktische Regeln. Erstens gehört die High-Ceiling-Version nicht knapp über eine normale Tür, denn die Köpfe der Passanten lägen dann zu nah am Sensor. Zweitens wird ihre Abdeckung durch die größere Höhe nicht automatisch breiter als die eines Standardgeräts bei 3,5 m.
Denk auch an die Stromversorgung. Beide VS135-Varianten brauchen PoE+ nach 802.3at oder ein 12-V-Netzteil. Die High-Ceiling-Version nimmt im Mittel 10 W und in der Spitze 24 W auf. Dein Switch muss diese Leistung pro Port liefern können, und bei 6 m Höhe planst du gleich mit, wie du später für Wartung an das Gerät kommst.

Wie groß ist der Erfassungsbereich eines Personenzählers?
Entscheidend ist nicht die Fläche auf dem Boden, sondern die Fläche auf Kopfhöhe. Dort muss der Zähler Menschen erkennen und verfolgen. Rechnest du mit einer Kopfhöhe von etwa 1,7 m und dem Sichtfeld aus dem Datenblatt, kommst du auf genau die Werte, die Milesight selbst angibt: 10,43 × 6,02 m für den VS125 bei 6 m Montagehöhe und 22,05 m² für den VS135 High Ceiling bei 6,5 m. Mit derselben Rechnung ergibt sich folgende Übersicht für ein einzelnes Gerät, jeweils Breite mal Tiefe auf Kopfhöhe, gerundet:
| Montagehöhe | VS135 Standard (98° × 80°) | VS135 High Ceiling (60° × 45°) | VS125-P (101° × 70°) |
|---|---|---|---|
| 2,5 m | 1,8 × 1,3 m | unter Messbereich | 1,9 × 1,1 m |
| 3,0 m | 3,0 × 2,2 m | unter Messbereich | 3,2 × 1,8 m |
| 3,5 m | 4,1 × 3,0 m | unter Messbereich | 4,4 × 2,5 m |
| 4,0 m | über Maximalhöhe | 2,7 × 1,9 m | 5,6 × 3,2 m |
| 5,0 m | über Maximalhöhe | 3,8 × 2,7 m | 8,0 × 4,6 m |
| 6,0 m | über Maximalhöhe | 5,0 × 3,6 m | 10,4 × 6,0 m |
| 6,5 m | über Maximalhöhe | 5,5 × 4,0 m | über Maximalhöhe |
Die Tabelle zeigt zwei Dinge, die viele überraschen. Unter 3 m Montagehöhe deckt kein Gerät mehr als zwei Meter Breite ab. Und der VS125-P erfasst in großer Höhe fast doppelt so viel Breite wie der VS135 High Ceiling. Montiere den Zähler so, dass die breite Seite des Sichtfelds quer über den Eingang läuft und die kurze Seite in Laufrichtung zeigt. Die Werte beschreiben das Sichtfeld; die zuverlässig auswertbare Zone ist zu den Rändern hin etwas kleiner. Plane deshalb auf jeder Seite einen Puffer ein und gleiche das Ergebnis mit dem Abdeckungsrechner des Herstellers ab.
Für breite Eingänge, etwa eine doppelte Schiebetür mit 5 m oder ein offenes Mall-Portal, reicht ein Gerät oft nicht. Dann schaltest du mehrere Zähler per Stitching zu einer gemeinsamen Zählfläche zusammen. Beim VS125-P nennt Milesight bis zu 16 Geräte, auch der VS135 unterstützt das Zusammenschalten mehrerer Geräte. Wichtig ist, dass sich die Sichtfelder leicht überlappen und du gerade diesen Übergang bei der Gegenprobe besonders prüfst.
Erkennt ein Personenzähler Kinder, Gruppen und Einkaufswagen?
Ja, aber nicht jedes Modell alles und nicht in jeder Höhe. Der VS135 unterstützt laut Datenblatt Gruppenzählung, die Unterscheidung von Erwachsenen und Kindern, die Erkennung von Mitarbeitenden und sogar den Füllstand von Einkaufswagen. Dazu kommen ein Filter für Kehrtwenden, also Personen, die nur kurz in die Zone treten und wieder umdrehen, sowie eine Erkennung von Tailgating, wenn jemand dicht hinter einer anderen Person durchgeht. Weil ToF die Körperhöhe direkt misst, hat die Unterscheidung von Kindern und Erwachsenen hier eine solide Grundlage.
Der VS125-P beherrscht ebenfalls Gruppenzählung, Kehrtwendenfilter, die Unterscheidung von Erwachsenen und Kindern sowie die Erkennung von Mitarbeitenden. Die beiden letzten Funktionen gibt Milesight allerdings nur für Montagehöhen von 2,2 bis 4 m an. Hängt der Stereo-Zähler in einer 6 m hohen Halle, zählt er zuverlässig, unterscheidet aber keine Kinder mehr. Eine Erkennung von Einkaufswagen nennt Milesight für den VS125-P nicht.
Ein häufiger Fehler bei der Einrichtung: Ein Kind auf dem Arm oder im Kinderwagen wird je nach Regel anders gewertet als ein Kind, das selbst läuft. Leg vorher fest, was für deine Auswertung als Besucher gilt, und prüfe genau diese Situationen bei der Gegenprobe.
Milesight VS135 vs VS125-P: Welcher Personenzähler passt zu deinem Eingang?
Beide Geräte zählen in beide Richtungen über bis zu vier Zähllinien, werten bis zu vier Bereiche mit Verweildauer aus, speichern bis zu eine Million Datensätze lokal und liefern ihre Daten über HTTP(S) oder MQTT(S). Die Unterschiede liegen in Höhe, Sichtfeld, Funktionen und Stromversorgung:
| Merkmal | Milesight VS135 | Milesight VS125-P |
|---|---|---|
| Technik | Time-of-Flight, 940 nm | Stereo-Kamera, 2 × 4 MP |
| Montagehöhe | bis 3,5 m (Standard), bis 6,5 m (High Ceiling) | 2,2 bis 6 m |
| Sichtfeld | 98° × 80° (Standard), 60° × 45° (High Ceiling) | 101° × 70° |
| Dunkelheit | aktive ToF-Beleuchtung | 0 Lux mit IR-Strahlern |
| Kinder/Erwachsene | ja | ja, bei 2,2 bis 4 m |
| Füllstand Einkaufswagen | ja | nicht angegeben |
| Stromversorgung | PoE+ (802.3at) oder 12 V/2 A | PoE (802.3af) oder 12 V/1 A |
| Leistungsaufnahme | Ø 8 W (Standard), Ø 10 W (High Ceiling) | 5,9 W |
Der VS135 passt zu dir, wenn du im Einzelhandel mehr als reine Ein- und Ausgänge brauchst, etwa Einkaufswagen, Tailgating oder Kinder, und wenn dein Eingang starke Schatten oder wechselndes Licht hat. Bei normalen Deckenhöhen nimmst du die Standardversion, über 3,5 m die High-Ceiling-Version. Der VS125-P ist die flexiblere Wahl, wenn du ein Gerät für sehr unterschiedliche Höhen suchst oder in einer hohen Halle möglichst viel Breite mit einem Zähler abdecken willst. Außerdem kommt er mit einem gewöhnlichen PoE-Port aus.
Personenzähler kaufen: Worauf solltest du achten?
Bevor du dich festlegst, miss drei Werte an deinem Eingang: die tatsächliche Montagehöhe vom Fußboden bis zur Geräteunterseite, die begehbare Breite inklusive geöffneter Seitenflügel und den freien Weg vor und hinter der Tür. Mit der Höhe prüfst du, welche Modelle überhaupt infrage kommen: Standard-VS135 bis 3,5 m, VS125-P von 2,2 bis 6 m, VS135 High Ceiling bis 6,5 m. Mit der Breite und der Tabelle zum Erfassungsbereich siehst du, ob ein Gerät reicht oder ob du mehrere per Stitching verbinden musst. Schau dir dann das Licht an: Bei Glasfronten mit tiefer Sonne spricht viel für ToF. Überlege, welche Zusatzfunktionen du wirklich auswertest, ob Kinder, Gruppen oder Einkaufswagen, und ob dein Switch PoE oder PoE+ liefert. Plane schließlich eine Gegenprobe zur Stoßzeit ein, bevor du den Zahlen vertraust. So wird die Personenzählung an deinem Eingang so genau, wie es die Technik erlaubt. Wenn du einen passenden Zähler suchst, findest du unsere Modelle in der Kategorie Personenzähler.