Du willst in einem Büro, einem Klassenzimmer oder einer Praxis die Luftqualität messen, und zwar nicht einmal mit einem geliehenen Handgerät, sondern dauerhaft und mit Verlauf. In der engeren Auswahl landen schnell zwei Geräte aus der Milesight AM300 Serie, die fast gleich aussehen: der AM307 und der AM308L. Die kurze Antwort lautet: Der AM307 reicht, wenn dich Raumklima, Belegung und die allgemeine Luftbelastung interessieren und die Werte direkt im Raum sichtbar sein sollen. Den AM308L brauchst du, wenn du Feinstaub (PM2.5 und PM10) erfassen willst und die Daten ohnehin zentral auswertest, denn er hat kein Display.
Beide Geräte teilen sich Gehäuse, Funkteil und den Großteil der Sensorik. Der Unterschied steckt in zwei Punkten, die im Alltag mehr ausmachen, als die Datenblätter vermuten lassen: der Partikelsensor und das E-Ink-Display. Daraus ergeben sich andere Batterielaufzeiten, andere Einsatzorte und eine andere Arbeitsweise mit den Messwerten. Die folgenden Abschnitte gehen diese Punkte der Reihe nach durch, damit du am Ende weißt, welches Gerät zu deinem Raum passt.

Wie kannst du die Luftqualität im Raum messen?
Grundsätzlich gibt es zwei Wege, die Raumluftqualität zu messen. Der erste ist ein mobiles Luftqualitätsmessgerät, das du in den Raum stellst, abliest und wieder mitnimmst. Das ist sinnvoll für eine Stichprobe, etwa wenn sich jemand über stickige Luft oder Gerüche beschwert. Der Nachteil: Du siehst nur den Moment, in dem du misst. Ob die Werte morgens um acht anders aussehen als nachmittags um drei, ob sie nach dem Lüften wieder abfallen oder ob ein bestimmter Wochentag auffällt, bleibt unsichtbar.
Der zweite Weg ist ein fest montierter Sensor, der in einem festen Intervall misst und die Werte an ein System überträgt. Hier kommen der AM307 und der AM308L ins Spiel. Beide senden ihre Messungen per LoRaWAN, standardmäßig alle zehn Minuten, und speichern zusätzlich bis zu 18.000 Einträge intern. Damit entsteht ein Verlauf über Wochen und Monate, den du mit Belegung, Wetter oder Betriebszeiten der Lüftung vergleichen kannst.
Ein häufiger Fehler bei der dauerhaften Messung ist ein schlechter Messort. Ein Sensor direkt am Fenster, über einem Heizkörper oder in der Ecke hinter einem Schrank misst vor allem seine unmittelbare Umgebung und nicht die Luft, die die Menschen im Raum atmen. Bevor du über Modelle entscheidest, lohnt sich deshalb ein Blick auf den Raum selbst: Wo halten sich Menschen auf, wo strömt Luft ein, wo gibt es Quellen wie Drucker, Kochnischen oder Türen zu stark befahrenen Straßen?
Welche Werte misst ein Luftqualitätssensor?
Ein moderner Raumklimasensor misst nicht einen einzigen Wert, sondern mehrere Größen, die jeweils etwas anderes beschreiben. Der AM307 erfasst sieben davon: Temperatur, relative Luftfeuchtigkeit, CO2, TVOC, Luftdruck, Helligkeit und Bewegung. Der AM308L ergänzt PM2.5 und PM10 und kommt so auf neun Messgrößen, weshalb er im Handel auch als 9-in-1-Sensor geführt wird.
Temperatur und Luftfeuchtigkeit sind die Basis für Behaglichkeit. Beide Geräte messen die Temperatur mit einer typischen Genauigkeit von ±0,2 °C im Bereich 0 bis 60 °C und die Feuchte mit ±2 % relativer Feuchte bei 25 °C. Dauerhaft hohe Feuchte über 60 % begünstigt Schimmel, sehr trockene Luft im Winter wird oft als unangenehm empfunden.
CO2 misst ein NDIR-Sensor im Bereich 400 bis 5.000 ppm mit einer Genauigkeit von ±(30 ppm + 3 % des Messwerts). Der Wert zeigt, wie viel ausgeatmete Luft sich im Raum angesammelt hat, und ist damit ein Kanal unter mehreren, nicht das ganze Bild. TVOC steht für flüchtige organische Verbindungen aus Reinigungsmitteln, Möbeln, Klebstoffen oder Parfüm. Wichtig: Der Metalloxid-Sensor der AM300 Serie liefert keine Konzentration in ppb oder mg/m³, sondern einen IAQ-Index von 1,00 bis 5,00 mit einer Toleranz von ±1. Das ist ein Trendindikator, keine Laboranalyse, und er sagt nicht, welcher Stoff in der Luft ist.
Luftdruck (260 bis 1.260 hPa), Helligkeit (in sechs Stufen von 0 bis 5) und der PIR-Bewegungsmelder mit 5 m Reichweite liefern Kontext. Der PIR meldet nur „belegt“ oder „frei“, er zählt keine Personen. Trotzdem hilft er enorm, weil du damit erkennst, ob ein Messwert in einem genutzten oder einem leeren Raum entstanden ist.
Milesight AM307 vs AM308L: Was ist der Unterschied?
Auf den ersten Blick sind die beiden Geräte Zwillinge: gleiche Abmessungen von 100,8 × 114 × 22 mm, gleiches Funkmodul mit 16 dBm Sendeleistung, gleiche Versorgung über vier austauschbare ER14505-Batterien oder USB-C, gleiche Schutzart IP30 für Innenräume. Die Tabelle stellt die Punkte gegenüber, in denen sie sich tatsächlich unterscheiden.
| Merkmal | Milesight AM307 | Milesight AM308L |
|---|---|---|
| Messgrößen | 7 (ohne Feinstaub) | 9 (inklusive PM2.5 und PM10) |
| Feinstaubsensor | nein | Laserstreuung, 0 bis 1.000 µg/m³ |
| Display | 4,2-Zoll-E-Ink, schwarz-weiß | kein Display |
| Batterielaufzeit laut Datenblatt (SF7, 10 min, 25 °C) | ca. 3,9 Jahre | ca. 1,3 Jahre |
| Gewicht mit Batterien | 182,5 g | 222,6 g |
| Ampel-LED und Summer | ja | ja |
Die Tabelle zeigt einen klaren Tausch: Der AM308L bringt die Partikelmessung mit, bezahlt sie aber mit rund einem Drittel der Batterielaufzeit und verzichtet auf das Display. Der AM307 hat die längere Laufzeit und die Anzeige im Raum, sieht aber keinen Feinstaub. Wenn du in deiner Planung nicht konkret begründen kannst, wofür du PM-Werte brauchst, ist der AM307 meist die einfachere Wahl.
Achte beim Bestellen auf den Buchstaben. Den AM308 gibt es bei Milesight auch mit Display, das „L“ steht für die Variante ohne Bildschirm. Wer in Unterlagen nur „AM308“ liest, kann leicht annehmen, der Sensor zeige seine Werte selbst an.
Feinstaub messen: Wann brauchst du PM2.5 und PM10 im Innenraum?
PM2.5 und PM10 bezeichnen Partikel mit einem Durchmesser bis 2,5 beziehungsweise bis 10 Mikrometer. Die feineren Partikel dringen tief in die Lunge ein, deshalb gilt PM2.5 als der gesundheitlich wichtigere Wert. Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt seit 2021 für PM2.5 einen Jahresmittelwert von höchstens 5 µg/m³ und einen 24-Stunden-Wert von höchstens 15 µg/m³, für PM10 liegen die Werte bei 15 und 45 µg/m³.
Im Innenraum entsteht Feinstaub vor allem beim Kochen und Braten, durch Kerzen und Rauchen, bei Bau- und Schleifarbeiten oder dringt mit der Außenluft ein, etwa an verkehrsreichen Straßen oder bei Rauch aus Kaminen und Bränden. Ein Feinstaubsensor lohnt sich also dort, wo eine dieser Quellen realistisch ist oder wo du nachweisen willst, dass eine Filteranlage tatsächlich wirkt. In einem typischen Besprechungsraum ohne solche Quellen werden die PM-Werte dagegen oft unauffällig und flach verlaufen.
Der AM308L misst per Laserstreuung im Bereich 0 bis 1.000 µg/m³. Die Genauigkeit liegt laut Datenblatt bei ±10 µg/m³ bis 100 µg/m³ und bei ±10 % darüber. Das ist für einen Sensor dieser Klasse üblich, bedeutet aber auch: Bei einem Messwert von 12 µg/m³ kannst du nicht sicher sagen, ob der WHO-Tageswert eingehalten wird. Für Trends, für das Erkennen von Spitzen und für den Vergleich vorher und nachher ist der Sensor gut geeignet, als Ersatz für ein amtliches Referenzmessgerät taugt er nicht. Auch hohe Luftfeuchtigkeit kann optische Partikelsensoren beeinflussen, weil Wassertröpfchen ebenfalls Licht streuen.

Luftqualitätssensor mit oder ohne Display: Was ist praktischer?
Das 4,2-Zoll-E-Ink-Display des AM307 zeigt die wichtigsten Werte, einen kleinen Verlaufsgraphen und ein Smiley als schnelle Gesamtbewertung. E-Ink braucht nur beim Umschalten Strom, deshalb kostet die Anzeige kaum Laufzeit. Der Vorteil liegt auf der Hand: Wer im Raum sitzt, sieht ohne App oder Login, wie es um die Luft steht, und kann selbst reagieren, etwa das Fenster öffnen oder eine Tätigkeit verlegen.
Ohne Display funktioniert der AM308L anders. Er ist ein reines Messgerät für eine zentrale Auswertung, zum Beispiel durch die Haustechnik oder ein Facility-Management, das viele Räume auf einem Dashboard vergleicht. Ganz stumm ist er nicht: Beide Geräte haben eine Ampel-LED und einen Summer, die bei überschrittenen Grenzwerten anschlagen können. Eine Ampel sagt aber nur, dass etwas nicht stimmt, nicht was. Wenn Menschen im Raum handeln sollen, brauchen sie beim AM308L eine andere Informationsquelle, etwa einen Bildschirm am Eingang oder eine Benachrichtigung.
Zwei Details zum Display solltest du kennen. Der AM307 arbeitet zwar von -20 bis 60 °C, das E-Ink-Display ist aber nur für 0 bis 40 °C spezifiziert. In normalen Innenräumen ist das kein Problem, in unbeheizten Lagern dagegen schon. Außerdem ist eine Anzeige nur so nützlich wie ihr Platz: Hängt das Gerät hinter der Tür oder über Kopfhöhe, liest niemand die Werte ab.
LoRaWAN Luftqualitätssensor: Wie lange hält die Batterie?
Beide Geräte nutzen dieselben vier austauschbaren Lithium-Thionylchlorid-Batterien vom Typ ER14505 mit je 2.700 mAh. Trotzdem liegen die Laufzeiten weit auseinander. Milesight gibt für den AM307 bei einem Sendeintervall von zehn Minuten, Spreizfaktor SF7 und 25 °C rund 3,9 Jahre an, bei SF10 rund 3,1 Jahre. Der AM308L kommt unter denselben Bedingungen auf etwa 1,3 Jahre beziehungsweise 1,2 Jahre bei SF10.
Der Grund ist der Partikelsensor. Eine Laserstreuungsmessung braucht für jeden Messzyklus deutlich mehr Energie als die übrigen Sensoren zusammen. Beim AM308L heißt das in der Praxis: Plane einen jährlichen Batteriewechsel ein oder versorge das Gerät dauerhaft über USB-C mit 5 V und 1 A. Gerade bei vielen Räumen ist eine feste Stromversorgung oft wirtschaftlicher als regelmäßige Wartungsgänge.
Auch die Funkverbindung wirkt sich aus. Sitzt der Sensor weit vom Gateway entfernt, wechselt das Netz auf einen höheren Spreizfaktor, die Sendezeit verlängert sich und die Laufzeit sinkt. Ein kürzeres Intervall als zehn Minuten verkürzt sie ebenfalls. Die Datenblattwerte sind deshalb Richtwerte unter Laborbedingungen, keine Zusage für jeden Raum. Wenn du die Laufzeit realistisch einschätzen willst, beobachte in den ersten Wochen den gemeldeten Batteriestand.
Welcher Luftqualitätssensor passt für Büro und Klassenzimmer?
Für ein Klassenzimmer spricht vieles für den AM307. Schülerinnen, Schüler und Lehrkräfte sehen die Werte direkt, die lange Batterielaufzeit hält den Wartungsaufwand klein, und die Tastensperre verhindert, dass jemand am Gerät herumdrückt. Feinstaub ist in den meisten Schulräumen keine Frage, die täglich beantwortet werden muss. Anders sieht es in Werkräumen, Lehrküchen oder Schulen an viel befahrenen Straßen aus, dort kann ein AM308L sinnvoll sein.
Im Büro hängt die Wahl davon ab, wer mit den Daten arbeitet. Großraumbüros, Empfangsbereiche und Räume mit Druckern, Teeküchen oder Fenstern zur Straße profitieren von der Partikelmessung des AM308L, vor allem wenn eine Haustechnik die Werte zentral auswertet und zum Beispiel einen Luftreiniger oder die Filterwartung danach plant. Einzelbüros und Besprechungsräume, in denen die Nutzer selbst reagieren sollen, sind mit dem Display des AM307 besser bedient.
Unabhängig vom Modell gelten dieselben Montageregeln. Hänge den Sensor auf Kopfhöhe von Sitzenden an eine Innenwand, nicht direkt an Fenster, Tür, Heizkörper oder Zuluftauslass, und nicht in direktes Sonnenlicht. Halte die Lüftungsöffnungen des Gehäuses frei, denn nur so gelangt Raumluft zu den Sensoren. Beide Geräte lassen sich mit 3M-Klebeband oder Schrauben befestigen. Probiere einen Platz einige Tage aus, bevor du bohrst, und notiere, was im Raum passiert. So erkennst du, ob ein Ausschlag von der Raumnutzung oder vom Montageort kommt.
Wie bindest du den Milesight AM307 oder AM308L in dein LoRaWAN ein?
Beide Sensoren arbeiten als LoRaWAN-Endgeräte der Klasse A und unterstützen OTAA und ABP. Du brauchst also ein Gateway in Funkreichweite und einen Netzwerkserver, etwa The Things Stack, ChirpStack oder den integrierten Netzwerkserver eines Milesight-Gateways. Die Konfiguration erfolgt per NFC mit der Milesight ToolBox App auf dem Smartphone oder per USB-C mit der PC-Software. Dort liest du DevEUI und AppKey aus, stellst Frequenzplan EU868 und Sendeintervall ein und legst Grenzwerte für Alarme fest.
Im Netzwerkserver registrierst du das Gerät mit diesen Schlüsseln und hinterlegst einen Payload-Decoder. Milesight stellt Decoder für die AM300 Serie bereit. Prüfe aber mit echten Uplinks, ob alle Felder ankommen: Ein Decoder, der für den AM307 geschrieben wurde, gibt die PM-Werte des AM308L nicht unbedingt aus. Kontrolliere auch, dass TVOC in deiner Plattform als Index von 1 bis 5 beschriftet ist und nicht versehentlich als Konzentration erscheint.
Zwei Funktionen machen die Integration robuster. Die interne Speicherung von 18.000 Einträgen und die Datenretransmission sorgen dafür, dass Messwerte nach einem Ausfall des Gateways nachgeliefert werden können. Teste das einmal bewusst, indem du das Gateway für eine Stunde trennst. Und richte in deiner Plattform einen Hinweis ein, wenn ein Sensor länger als etwa eine Stunde nichts mehr sendet, denn ein stummer Sensor ist leichter zu übersehen als ein schlechter Messwert.
Luftqualitätssensor kaufen: Worauf solltest du achten?
Die Entscheidung zwischen den beiden Modellen beginnt mit drei Fragen. Brauchst du Feinstaubwerte, weil es im Raum oder vor dem Fenster eine echte Partikelquelle gibt oder weil du eine Filterung überprüfen willst? Sollen die Menschen im Raum die Werte selbst sehen, oder wertet jemand zentral aus? Und wie oft kannst du realistisch Batterien wechseln, oder gibt es am Montageort eine USB-Stromversorgung?
Wenn du die erste Frage verneinst und die Anzeige im Raum wichtig ist, passt der AM307 mit seinen rund 3,9 Jahren Laufzeit. Wenn du PM2.5 und PM10 brauchst und ohnehin über ein Dashboard arbeitest, ist der AM308L das richtige Gerät, am besten mit fester Stromversorgung. Prüfe außerdem, ob ein LoRaWAN-Gateway in Reichweite ist und ob deine Plattform alle Messgrößen dekodiert.
Wenn du die Luftqualität messen willst und ein passendes Gerät suchst, findest du beide Sensoren in unserer Kategorie CO2-Sensoren.