Du hast vier Kameras ans Haus geschraubt, den Rekorder angeschlossen und stehst jetzt vor der Frage, welche Festplatte für die Überwachungskamera-Anlage reicht. Die kurze Antwort: Eine Kamera mit durchschnittlich 4 Mbit/s schreibt bei Daueraufnahme rund 43 GB pro Tag. Vier solcher Kameras füllen eine 2-TB-Platte in etwa zehn Tagen, mit einer 4-TB-Platte kommst du auf rund drei Wochen.
Die Megapixelzahl auf dem Karton sagt dagegen wenig darüber aus, wie lange die Aufnahmen reichen. Entscheidend sind die tatsächliche Bitrate jeder Kamera, die Zahl der Kameras, die Stunden, in denen wirklich aufgezeichnet wird, und die Kapazität, die nach Formatierung und Reserve übrig bleibt. Mit diesen vier Größen rechnest du deinen Bedarf in ein paar Minuten selbst aus und erkennst, ob eine Platte ausreicht, bevor du sie einbaust.

Speicherbedarf berechnen: Wie viel GB braucht eine Kamera pro Tag?
Die Grundformel ist einfacher, als viele Online-Rechner vermuten lassen. Eine Bitrate von 1 Mbit/s bedeutet eine Million Bit pro Sekunde. Ein Tag hat 86.400 Sekunden, ein Byte besteht aus acht Bit. Daraus folgt: 1 Mbit/s mal 86.400 geteilt durch 8 ergibt 10,8 Milliarden Byte, also 10,8 GB pro Tag. Diesen Faktor 10,8 musst du dir merken. Die durchschnittliche Bitrate deiner Kamera in Mbit/s mal 10,8 ergibt den Speicherbedarf in GB pro Tag bei Daueraufnahme.
Zeichnet die Kamera nicht rund um die Uhr auf, rechnest du mit Stunden: Mbit/s mal Aufnahmestunden mal 0,45 ergibt GB. Der Faktor 0,45 ist einfach 10,8 geteilt durch 24. In beiden Fällen gilt: GB und TB sind hier dezimal gemeint, ein TB entspricht also 1.000 GB, so wie Festplattenhersteller rechnen.
Die folgende Tabelle zeigt, was bei typischen Bitraten pro Tag zusammenkommt. Die Annahmen dahinter sind Daueraufnahme über 24 Stunden, nur der Hauptstream wird gespeichert, kein Audio, und alle Kameras liefern dieselbe durchschnittliche Bitrate.
| Durchschnittliche Bitrate pro Kamera | 1 Kamera (GB/Tag) | 4 Kameras (GB/Tag) | 8 Kameras (GB/Tag) |
|---|---|---|---|
| 1 Mbit/s | 10,8 | 43,2 | 86,4 |
| 2 Mbit/s | 21,6 | 86,4 | 172,8 |
| 4 Mbit/s | 43,2 | 172,8 | 345,6 |
| 6 Mbit/s | 64,8 | 259,2 | 518,4 |
| 8 Mbit/s | 86,4 | 345,6 | 691,2 |
Lies die Tabelle als Größenordnung, nicht als Messwert. Welche Zeile auf dich zutrifft, siehst du in den Kameraeinstellungen oder besser noch im laufenden Betrieb. Als grober Startwert landet eine 4-MP-Kamera mit H.265 bei 25 Bildern pro Sekunde in vielen Szenen irgendwo zwischen 2 und 4 Mbit/s, eine 8-MP-Kamera (4K) eher zwischen 4 und 8 Mbit/s. Nachts mit Bildrauschen, bei Regen oder bei Bäumen im Wind kann der Wert deutlich steigen.
Ein häufiger Fehler ist, den eingestellten Maximalwert als Durchschnitt zu nehmen. Bei variabler Bitrate ist der eingetragene Wert eine Obergrenze. Ruhige Szenen bleiben darunter, belebte Szenen schöpfen ihn aus. Wer mit dem Maximalwert rechnet, liegt auf der sicheren Seite, kauft aber eventuell mehr TB als nötig. Wer mit einem kurzen Messwert aus zehn ruhigen Minuten rechnet, unterschätzt den Bedarf fast immer.
NVR-Festplatte: Welche Größe für 4 oder 8 Kameras?
Sobald du den Tagesbedarf kennst, teilst du die nutzbare Kapazität der Festplatte durch diesen Wert und bekommst die Anzahl der Tage. Für die folgende Übersicht nehmen wir an, dass rund 90 Prozent der Nennkapazität für Video zur Verfügung stehen. Die restlichen zehn Prozent sind ein Planungspuffer für Dateisystem, Index und schwankende Bitraten, kein exakter Wert für jedes Gerät.
| Anlage (Daueraufnahme) | GB pro Tag | 2 TB | 4 TB | 8 TB |
|---|---|---|---|---|
| 4 Kameras × 2 Mbit/s | 86,4 | ca. 21 Tage | ca. 42 Tage | ca. 83 Tage |
| 4 Kameras × 4 Mbit/s | 172,8 | ca. 10 Tage | ca. 21 Tage | ca. 42 Tage |
| 8 Kameras × 2 Mbit/s | 172,8 | ca. 10 Tage | ca. 21 Tage | ca. 42 Tage |
| 8 Kameras × 4 Mbit/s | 345,6 | ca. 5 Tage | ca. 10 Tage | ca. 21 Tage |
Der Vergleich zeigt zwei Dinge. Erstens zählt die gesamte Bitrate, nicht die Kamerazahl allein: Acht sparsam eingestellte Kameras brauchen genauso viel Platz wie vier Kameras mit doppelter Bitrate. Zweitens wird eine 2-TB-Platte bei acht Kameras in Daueraufnahme schnell knapp. Für eine Woche Historie und mehr landest du bei acht Kameras realistisch bei 4 bis 8 TB.
Beim HiLook NVR-108MH-C/8P setzt das Datenblatt zwei Grenzen, die du kennen solltest. Der Rekorder hat einen SATA-Anschluss für eine Festplatte mit bis zu 8 TB, RAID gibt es nicht. Und die eingehende Bandbreite liegt bei 80 Mbit/s für alle acht Kanäle zusammen. Acht Kameras mit je 8 Mbit/s ergeben 64 Mbit/s und passen also; bei 10 Mbit/s pro Kamera wärst du genau am Limit. Kameraeingänge, Bandbreite und Plattenkapazität sind drei verschiedene Grenzen, und eine weitere Kamera kann die Historie verkürzen, obwohl am Rekorder noch ein Port frei ist.
Wie lange speichert ein NVR die Aufnahmen?
Ein NVR hat keine feste Speicherdauer. Er schreibt so lange, bis die Platte voll ist, und beginnt dann je nach Einstellung, die ältesten Aufnahmen zu überschreiben. Wie viele Tage zurück du Videos findest, ergibt sich also direkt aus nutzbarer Kapazität geteilt durch Tagesbedarf.
Nimm als Beispiel eine 2-TB-Festplatte. Der Hersteller rechnet mit 2.000.000.000.000 Byte. Das Betriebssystem des Rekorders zeigt dir dieselbe Platte oft als rund 1,82 TB oder 1.863 GB an, weil es binär mit 1.024er-Schritten rechnet. Verloren geht dabei nichts, nur die Einheit ist eine andere. Setzt du vorsichtig 1.800 GB für Video an, ergibt das bei einer einzelnen Kamera mit 4 Mbit/s rund 42 Tage, bei vier Kameras rund 10 Tage und bei acht Kameras gut 5 Tage.
Diese Zahlen sind eine Planung, keine Garantie. Die tatsächliche Dauer hängt davon ab, wie sich die Bitrate über Tag und Nacht verhält, ob Ereignisaufnahmen Vor- und Nachlauf haben und ob zusätzlich Audio gespeichert wird. Deshalb lohnt sich nach einer Woche Betrieb ein Blick in die Wiedergabe: Wie weit reicht die älteste Aufnahme zurück? Passt das zur Schätzung? Wenn nicht, korrigierst du deine Annahme, bevor die Lücke im Ernstfall auffällt.
Viele Rekorder auf Hikvision-Basis bieten je nach Firmware außerdem eine Ablaufzeit pro Kamera. Damit löscht der NVR Aufnahmen nach einer festen Zahl von Tagen, auch wenn die Platte noch Platz hätte. Das ist vor allem für die Frage interessant, wie lange du überhaupt speichern darfst.

H.265 oder H.264: Wie viel Speicher spart die Kompression?
Der Codec entscheidet, wie viele Bit eine Kamera für dasselbe Bild braucht. H.265 erreicht bei vergleichbarer Bildqualität in vielen Szenen eine um 30 bis 50 Prozent niedrigere Bitrate als H.264. In der Formel heißt das: Aus 4 Mbit/s mit H.264 werden vielleicht 2 bis 2,8 Mbit/s mit H.265, und die Laufzeit derselben Festplatte steigt entsprechend.
Dazu kommen herstellereigene Smart-Codecs wie H.265+ und H.264+, die der HiLook NVR-108MH-C/8P laut Datenblatt ebenfalls aufzeichnen und abspielen kann. Sie senken die Bitrate vor allem bei ruhigen, gleichbleibenden Szenen zusätzlich, weil sie unbewegte Bildbereiche seltener neu übertragen. Bei viel Bewegung schrumpft der Vorteil. Eine feste Einsparquote, die für jede Kamera gilt, gibt es deshalb nicht.
Zwei Dinge solltest du prüfen, bevor du dich darauf verlässt. Erstens müssen Kamera und Rekorder denselben Codec unterstützen. Zweitens sollte die Wiedergabe auf dem Gerät funktionieren, mit dem du im Ernstfall Videos exportierst und weitergibst. Rechne am Ende immer mit der Bitrate, die tatsächlich ankommt, und nicht mit dem Namen des Codecs. Viele Rekorder zeigen die aktuelle Bitrate pro Kanal in der Statusübersicht an.
Daueraufnahme oder Bewegungsaufnahme: Was spart Speicher?
Bewegungsaufnahme spart fast immer Platz, aber wie viel, hängt ganz vom Standort ab. Eine Kamera, die einen selten genutzten Hof filmt, zeichnet vielleicht nur eine Stunde am Tag auf. Eine Kamera auf eine Straße mit Verkehr wird ständig ausgelöst und kommt der Daueraufnahme nahe.
Rechne mit den effektiven Aufnahmestunden. Kommen vier Kameras mit je 4 Mbit/s auf zusammen sechs Stunden Aufnahme pro Tag, ergibt das 16 Mbit/s mal 6 Stunden mal 0,45, also 43,2 GB statt 172,8 GB. Die gleiche 2-TB-Platte reicht dann rund 42 Tage statt 10. Das ist eine Beispielrechnung, keine Zusage, dass du an deinem Standort 75 Prozent sparst.
Unterschätzt wird oft der Vor- und Nachlauf. Damit eine Aufnahme den Anfang eines Ereignisses enthält, puffert der Rekorder einige Sekunden vor der Auslösung und zeichnet nach dem Ende noch weiter auf. Viele kurze Ereignisse summieren sich so schnell. Fehlauslösungen durch Schatten, Insekten vor dem Infrarotlicht oder Scheinwerfer verbrauchen ebenfalls Speicher. Eine sinnvolle Mischung ist häufig Daueraufnahme für die wichtigste Kamera, etwa am Eingang, und Bewegungsaufnahme für die übrigen.
Und noch ein Punkt: Speicher zu sparen ist nur dann ein Erfolg, wenn die relevanten Vorgänge vollständig auf der Platte landen. Prüf nach der Einrichtung ein paar echte Ereignisse in der Wiedergabe.
Welche Festplatte für den NVR: Brauchst du eine Überwachungsfestplatte?
Ein NVR schreibt rund um die Uhr mehrere Videoströme parallel auf eine einzige Platte. Eine normale Desktop-Festplatte ist für solche Dauerlast meist nicht ausgelegt. Hersteller geben für Desktop-Modelle oft eine Nutzung von etwa acht Stunden am Tag an, während Überwachungsfestplatten für den Betrieb rund um die Uhr gebaut sind und eine Firmware haben, die auf das gleichzeitige, kontinuierliche Schreiben vieler Streams abgestimmt ist.
Ein guter Vergleichswert ist die jährliche Arbeitslast im Datenblatt der Platte, angegeben in TB pro Jahr. Acht Kameras mit je 4 Mbit/s schreiben 345,6 GB am Tag, das sind rund 126 TB im Jahr. Viele Überwachungsfestplatten sind für eine Arbeitslast in dieser Größenordnung oder darüber spezifiziert. Achte außerdem darauf, dass die Platte einen SATA-Anschluss hat und die Kapazitätsgrenze deines Rekorders nicht überschreitet; beim HiLook NVR-108MH-C/8P sind das bis zu 8 TB.
Weil der Rekorder nur einen Plattenschacht und kein RAID hat, gibt es keine Redundanz. Fällt die Festplatte aus, sind die darauf gespeicherten Aufnahmen in der Regel verloren. Wichtige Clips solltest du deshalb zeitnah exportieren. Ein Blick auf den Plattenstatus im Menü des NVR gehört zur regelmäßigen Kontrolle, genauso wie die Benachrichtigung bei Festplattenfehlern, die viele Rekorder anbieten.
Was passiert, wenn die NVR-Festplatte voll ist?
Das hängt von einer einzigen Einstellung ab. Ist Überschreiben aktiviert, was bei den meisten Rekordern ab Werk der Fall ist, löscht der NVR automatisch die ältesten Aufnahmen und schreibt die neuen an ihre Stelle. Die Anlage läuft dann als Ringspeicher endlos weiter, und du hast immer die letzten Tage verfügbar, je nach Kapazität und Bitrate.
Ist Überschreiben deaktiviert, stoppt die Aufnahme, sobald die Platte voll ist. Der Rekorder meldet dann meist einen Fehler wie „Festplatte voll“, und ab diesem Moment wird nichts mehr gespeichert. Das ist der gefährlichere Fall, weil die Anlage weiterhin ein Livebild zeigt und von außen normal wirkt.
Wichtige Aufnahmen, die nicht überschrieben werden sollen, sicherst du am besten per Export auf einen USB-Stick oder einen Rechner. Manche Rekorder erlauben zusätzlich, einzelne Dateien zu sperren, damit der Ringspeicher sie auslässt. Gesperrte Dateien verringern allerdings den Platz für neue Aufnahmen. Wenn du die Sperre vergisst, schrumpft deine Historie mit der Zeit unbemerkt.
Wie lange darfst du Videoaufnahmen speichern?
Technisch kannst du so lange speichern, wie die Festplatte reicht. Rechtlich kommt es darauf an, was die Kamera filmt. Filmst du ausschließlich dein eigenes, nicht öffentlich zugängliches Grundstück, greift für Privatpersonen in der Regel die Ausnahme für rein persönliche Tätigkeiten. Sobald aber Gehweg, Straße, Nachbargrundstück oder ein Geschäft im Bild sind, gilt die DSGVO und damit der Grundsatz der Speicherbegrenzung: Aufnahmen dürfen nur so lange aufbewahrt werden, wie es für den Zweck nötig ist.
Die deutschen Datenschutzaufsichtsbehörden nennen in ihrer Orientierungshilfe zur Videoüberwachung 72 Stunden als Richtwert. Die Begründung ist praktisch: Wird am Freitagabend etwas aufgezeichnet, soll es am Montag noch gesichtet werden können. Eine feste gesetzliche Obergrenze ist das nicht, längere Fristen müssen aber gut begründet sein. Für Unternehmen und Vermieter bedeutet das oft, dass gar keine riesige Platte nötig ist, sondern eine sauber eingestellte Ablaufzeit.
Diese Hinweise ersetzen keine Rechtsberatung. Im Zweifel klärst du die Speicherdauer mit deinem Datenschutzbeauftragten oder der zuständigen Aufsichtsbehörde und stellst den NVR dann so ein, dass er sich daran hält.
Überwachungskamera mit NVR kaufen: Worauf solltest du achten?
Bevor du eine Anlage zusammenstellst, rechne einmal kurz mit deinen eigenen Werten. Schätze die durchschnittliche Bitrate pro Kamera realistisch, also eher am oberen Ende für Nacht und schlechtes Wetter. Multipliziere die Summe aller Kameras mit 10,8 für Daueraufnahme oder mit Stunden mal 0,45 für Bewegungsaufnahme. Teile die nutzbare Kapazität mit etwa zehn Prozent Reserve durch diesen Tagesbedarf. Prüfe dann, ob der Rekorder genug Kanäle, genug eingehende Bandbreite und einen Plattenschacht mit ausreichender Maximalkapazität hat. Plane für Dauerbetrieb eine Überwachungsfestplatte ein, nutze H.265, wenn Kamera und NVR es unterstützen, und lege die Speicherdauer bewusst fest, statt sie dem Zufall der Plattengröße zu überlassen. So passt die Festplatte für deine Überwachungskamera-Anlage von Anfang an zum Bedarf. Wenn du passende Kameras und Rekorder suchst, findest du unsere Modelle in der Kategorie Überwachungskameras.